Nach langer Debatte/Kinderarzt hatte gewarnt: Missbildungen verursacht
n.  Düsseldorf/Hamburg (Eig. Bericht) – Nach einer langen Debatte zwischen Ärzten, Juristen und dem Sozialausschuss des Landtages von Nordrhein-Westfalen, hat sich das nordrhein-westfälische Innenministerium entschlossen, Verkauf und Verordnung des Schlafmittels „Contergan“ in der bisherigen Form in seinem Lande vorläufig zu verbieten. Er unterrichtete alle Bundesländer von diesem Entschluss. Das vorläufige Verbot geht auf die alarmierende Warnung des Kinderarztes Dr. W. Lenz zurück, der in der Hamburger Universitätsklinik Untersuchungen über schwere Missbildungen an Neugeborenen durchführte. Er vermutet, dass das Schlafmittel „Contergan“, das von den betreffenden Müttern während der Schwangerschaft eingenommen wurde, zu diesen Missbildungen führte.
Das Medikament war erst vor kurzem rezeptpflichtig geworden. Aus ärztlichen Kreisen war jedoch wiederholt darauf hingewiesen worden, dass das Schlafmittel bei Dauergebrauch gesundheitliche Schäden hervorrufe.
Heute wird eine Reihe von Wissenschaftlern die Ermittlungen des Hamburger Kinderarztes prüfen. Er hatte bereits vorher die Herstellerfirma des Medikaments in Stolberg (Rheinland) gebeten, „Contergan“ sofort zurückzuziehen.
Dr. Lenz hatte auf dem Kinderärztekongress in Düsseldorf erklärt: „Ich kann es mit meinem Gewissen als Arzt nicht vereinbaren, zu schweigen.“
Er hat sich mit der Vorgeschichte mehrerer Fälle befasst, in denen Kindern bei ihrer Geburt ein Arm, eine Hand oder ein Fuß fehlte.
Er untersuchte, welche Medikamente die Mütter während der Schwangerschaft eingenommen hatten, und hat herausgefunden, dass viele von ihnen „Contergan“ genommen hatten.
Neun Stunden lang saßen Dr. Lenz und Vertreter der Herstellerfirma im Düsseldorfer Innenministerium mit Behördenvertretern und Ärzten zusammen. Die Firma hat nach der Sitzung aus Vorsorge das Präparat auch selbst bis zur wissenschaftlichen Klärung eventueller Zusammenhänge zwischen diesem Medikament und Missgeburten aus dem Handel gezogen.
Dr. Lenz hatte gewarnt: Das Mittel müsse sofort zurückgezogen werden bis einwandfrei nachgewiesen werden könne, dass es unschädlich sei.

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