Blutkrebs-Medikament im Test

Heidelberger Universitätsklinik startet internationale Studie

Von unserem Redaktionsmitglied Sigrid Ditsch

 

Heidelberg. An der Heidelberger Universitätsklinik beginnt jetzt eine Studie, die ein neues Medikament gegen Blutkrebs unter die Lupe nimmt. Im Blick steht das Multiple Myelom, an dem pro Jahr 4000 Bundesbürger erkranken. Heilung ist bislang nur in wenigen Fällen möglich - per Transplantation von Stammzellen in Verbindung mit Chemotherapie und Bestrahlung.

Bei dem Medikament handelt es sich um Revimid, eine dem Thalidomid (Contergan-Wirkstoff) verwandte Substanz. Nach Angaben von Uniklinik-Sprecherin Dr. Annette Tuffs ist die lebensverlängernde Wirkung von Thalodomid bei Kranken mit Multiplem Myelom bereits in klinischen Tests erwiesen, seine Zulassung stehe aber noch aus. Professor Hartmut Goldschmidt, Leitender Oberarzt der Abteilung für Hämatologie und Onkologie der Uniklinik: "Klinische Untersuchungen in den USA geben starke Hinweise darauf, dass Revimid mindestens ebenso wirksam wie Thalidomid sein dürfte und möglicherweise ein günstigeres Spektrum an Nebenwirkungen hat." Es beeinflusst die Bildung von Immunstoffen und hemmt Blutgefäße, die bösartige Zellwucherungen im Knochenmark anregen. Die Heidelberger Klinik mit zunächst zehn Patienten ist eingebunden in einen Studienverbund mit Kliniken in Nordamerika und Europa, darunter Berlin, Frankfurt und München. Laut Goldschmidt können sich Ärzte mit Patienten, die bereits einen Rückfall erlitten haben, anmelden (Telefon 06221/ 56 80 08).

MannheimerMorgen, 07. Oktober 2003