Grammy-Triumph für den deutschen Bariton Thomas Quasthoff

Der deutsche Dirigent Sawallisch geht leer aus

Los Angeles. Grammy-Triumph für den deutschen Bariton Thomas Quasthoff:

Der 44-Jährige wurde der Verleihung der Musikpreise in der Nacht zum Montag in Los Angeles als bester klassischer Solist ausgezeichnet. Seine Einspielung von Liedern Franz Schuberts (1797-1828), zusammen mit der Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter und begleitet von dem Europäischen Kammerorchester unter Leitung von Claudio Abbado überzeugte die Jury. Quasthoff siegte unter anderem gegen die Sopranistin Montserrat Caballé und die Mezzosopranistin Frederica von Stade. Der Contergan geschädigte Sänger - er hat seit Geburt keine Arme, sondern nur Hände - lebt in Hannover. Der deutsche Dirigent Wolfgang Sawallisch ging bei den Grammys leer aus. Er war für zwei Grammys für die Einspielung von Robert Schumanns Sinfonien 1-4 mit dem Philadelphia Orchester nominiert gewesen. Die Wiener Philharmoniker bekamen den Preis für die "beste Orchester-Einspielung" mit ihrer Aufnahme von Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 3 unter Leitung von Pierre Boulez. Das Album "Obrigado Brazil", unter anderem mit dem Weltklasse-Cellisten Yo-Yo Ma, gewann zwei Grammys für das beste klassische Crossover-Album und als beste Produktion. Der bereits mit einem Grammy geehrte Münchner Produzent Manfred Eicher, Gründer und Präsident der Edition of Contemporary Music (ECM) hatte diesmal kein Glück: Der Produzenten-Grammy ging an Steven Epstein, der unter anderem für die Produktion von zwei Alben mit dem Star-Cellisten Yo-Yo Ma ("Obrigado Brazil" und "Paris La Belle Epoque") ausgezeichnet wurde.

Der amerikanische Pianist Van Cliburn wurde mit einem Sonderpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Grammys wurden zum 46. Mal in insgesamt 105 Kategorien von Rock/Pop über Country Music bis zur Klassik verliehen. Über die Vergabe entscheiden rund 18000 Mitglieder der National Academy of Recording Arts and Sciences (NARAS).

MannheimerMorgen, 10. Februar 2004